Ein sehr, sehr wichtiges Thema, über das ich eigentlich nicht oft genug sprechen kann ist “Fehler machen”. Ich würde sagen es ist eines der wichtigsten Themen über die man sich irgendwann Gedanken machen sollte und bei dem man reflektieren kann, wie man selbst zum Fehlermachen steht.

Wir wissen es eigentlich alle! Ohne Fehler zu machen, können wir nicht lernen und weiterkommen.

Wir können nicht wachsen und uns verbessern, wenn wir keine Fehler machen. Kinder lernen dadurch, dass sie immer und immer wieder Fehler machen, sich aber nicht davon abbringen lassen, es so lange zu versuchen, bis sie es können.

Im Erwachsenenalter dann scheint es für uns irgendwie zum Unding zu werden Fehler zu machen. Als würde man dafür bestraft oder verachtet werden. Da wir uns natürlich alle nach Anerkennung und Liebe sehnen, meinen wir, dass fehlerhaftes Verhalten das Gegenteil dessen bewirkt.

Dabei stimmt das gar nicht.

Fehler zu machen ist zutiefst menschlich und wie bereits gesagt die Grundvoraussetzung für Wachstum.

Die Angst von anderen dafür verurteilt zu werden, oder als unprofessionell dazustehen steckt aber sehr tief in uns.

Wäre uns egal, was andere über uns denken und würden wir unseren Selbstwert nicht von der Meinung anderer abhängig machen, dann wäre es wahrscheinlich auch nicht so schlimm Fehler zu machen.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich mir erlaubt habe mehr Fehler zu machen, als ich mit mir selbst mehr im Reinen war. Ich habe irgendwann verstanden, dass es darauf ankommt, dass ich mich selbst gut finde und ich über mich selbst weiß, dass ich etwas kann und an mich glaube – dann ist es nicht so wichtig, was andere sagen.

Wenn ich mir selbst vertraue, dass ich meine Aufgaben gut meistere, dann sind Fehler nicht schlimm, weil ich weiß, dass sie nicht grundsätzlich etwas über meine Arbeit oder mich als Mensch aussagen. Ich identifiziere mich dann nicht mit dem Fehler, sondern betrachte ihn als Ausnahme in einem ansonsten intakten System.

Wenn ich weiß, was ich kann und dass ich etwas kann, dann ist es auch nicht so einfach mich anzugreifen. Wenn ich allerdings selbst an meinem Tun zweifle, dann wird jegliche Kritik und jeglicher Gegenwind zu einer riesigen Sache.

Hier wären wir bei der Frage, wie ich es schaffe mir zu vertrauen und nicht an mir selbst zu zweifeln, wenn ich mir die Bestätigung nicht von außen hole?

Und auch hier muss ich wieder sagen, wie bei so vielen anderen Dingen – am Anfang steht die Entscheidung – IMMER!!

Das ist so wichtig. Ich muss mich an einem gewissen Punkt dafür entscheiden, ob ich mir selbst weiterhin Leid tun will, oder ob ich mich einfach entschließe selbstbewusster zu sein und an mich zu glauben. Habe ich diese Entscheidung einmal getroffen, kann ich daran arbeiten mein Selbstvertrauen aufzubauen.

Wie das geht? Über den Weg der Authentizität!! Wenn ich authentisch bin und meine Wahrheit spreche, wenn ich versuche in jedem Moment ich zu sein und keine Rollen spiele, dann merkt mein System, dass ich gut für mich sorge, dass ich mich selbst nicht anlüge und nicht vorgebe etwas zu sein, dass ich nicht bin. So entsteht Selbstvertrauen.

Ich muss meinem eigenen System ja erst einmal die Möglichkeit geben zu merken, dass es mir vertrauen kann, weil ich bereit bin für mich einzustehen, auch wenn es schwierig wird. Weil ich bereit bin meine Wahrheit zu sprechen und ehrlich zu mir selbst zu sein, auch wenn ich vielleicht Gegenwind erhalte. Dann, wenn ich Beziehungen führe, die mir guttun und mich gut um mich kümmere, entsteht Selbstvertrauen. Das bedeutet, es ist ganz viel Arbeit an und in mir und hat nichts mit äußeren Umständen zu tun!

Nicht damit wie viel ich erreicht habe, wohin ich in den Urlaub gehe und wie toll meine Freunde sind. Es fängt an allererster Stelle in mir an. Wenn ich bei mir bleibe! Dann weiß ich auch in Situationen, in denen ich eventuell eine falsche Entscheidung getroffen habe, oder über die Stränge geschlagen habe – das ist nicht schlimm, denn ich weiß und vertraue mir, dass dies eine Ausnahme ist!

Je länger ich mich mir selbst gegenüber und gegenüber anderen authentisch gebe, umso sicherer werde ich, umso besser weiß ich, wie ich eigentlich bin und umso weniger bin ich darauf angewiesen was die Welt um mich herum von mir denkt. Das ist zusätzlich wichtig, bildet aber niemals das Fundament meines Selbstwertes.

Eine Sache, die ich zu guter Letzt noch ansprechen möchte und die mir erst vor Kurzem selbst klar wurde – Fehler machen in Beziehungen – oder Fehler machen in Bezug auf Beziehungen.

Wie viele von euch denken, oder wünschen sich, dass sie jemanden treffen mit dem es gleich klappt? Oder verspüren den Druck – wenn ich mich jetzt einlassen, dann muss das schon etwas “Richtiges” sein?

 

Obwohl dieser Anspruch ja nicht schlecht ist, habe ich mich gefragt, was wäre wenn man hier einfach den Druck herausnimmt sofort wissen zu müssen, was das jetzt ist. Wie wäre es wenn es einfach nur um das Kennenlernen geht? Wie wäre es, wenn es einfach nur darum geht zu lernen und zu üben, wie man miteinander in Beziehung tritt und Nähe zulässt? Wie wäre es wenn keiner die Erwartungshaltung hätte, dass diese Begegnung unbedingt eine Beziehung werden muss?

Sondern, wenn beide ganz locker sein könnten und sich einfach sagen – wir schauen mal wo das hingeht, sind gut zueinander und bleiben ehrlich.

Mehr kann man sich doch eigentlich gar nicht wünschen! Der Rest wird sich ergeben.

Sicherlich gibt es viele Menschen, die genau diese Herangehensweise verfolgen, aber ich weiß, dass es auch genügend Menschen gibt, die glauben sie müssen gleich alles wissen und haben dann entweder Angst jemanden zu enttäuschen, oder selbst enttäuscht zu werden, da sie vor dem geistigen Auge schon viel zu weit in der Zukunft sind.

Also was ist so falsch daran In-Beziehung-Sein zu üben? Sich auszuprobieren und Schritt für Schritt zu schauen, wohin das Ganze geht? Die Erwartungshaltungen mal außen vorzulassen und zu genießen, was der Moment bringt?

Mir war selbst lange nicht klar, dass ich auch beim Beziehungsthema vermeide Fehler zu machen und dass vielleicht genau das der Grund ist, warum ich Angst habe mich einzulassen…

 

An alle Bindungsängstler – geht die Sache locker an und kommuniziert auch, dass ihr es locker angehen lassen wollt. So behaltet ihr euer Gefühl von Autonomie und die Angst davor in etwas hineinzugeraten, aus dem ihr nicht mehr heraus kommt wird weniger.

 

Alles Liebe!

 

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